Wir alle kennen diesen Traum, der uns nächtens ab und zu heimsucht: Ein bisschen mehr Geld, nicht unbedingt reicher als reich, aber eine weitere stete Einkommensquelle, die zum regulären Erwerb beiträgt, wäre doch eine nette Sache. Und zwar möglichst ohne Aufwand, denn Zeit ist ein knappes Gut, und die benötigen wir für andere Dinge. Wer sich öfter in den "Sozialen Medien" (YouTube, LinkedIn, TikTok, Instagram und wie sie alle heißen) bewegt und den Fehler macht, sich dort auch über die Börse oder den Kapitalmarkt informieren zu wollen, für den hat der Algorithmus früher oder später eine Lösung parat. Unweigerlich stößt man irgendwann auf einen Mann (seltener eine Frau) jüngeren oder mittleren Alters, der in Werbeanzeigen, "Shorts" oder längeren Videos erklärt, wie man durch Investieren zu schnellem Geld kommt - ein passives Einkommen ohne Arbeit, so lautet das Versprechen, wenn man nur den Ratschlägen des Visionärs folgt. Die Nachricht erreicht die Zuseher nicht aus dem schnöden Büro, sondern wahlweise aus dem Penthouse mit Weitblick, dem Lamborghini oder einer sonst ansprechenden Umgebung. Die Augen glänzen, und es scheint, als ob der Traum real werden könnte. Nötig ist meist nur die Eröffnung eines Kontos auf einer gewissen Trading-Plattform, begleitet von einer bescheidenen Anfangsinvestition. Alternativ schlägt der Ratgeber vor, der hoffnungsvolle Interessent könne gegen Entgelt einer WhatsApp-Gruppe beitreten oder die Mitgliedschaft in einem Investment-Portal erwerben; je mit dem Ziel, nur ja keine Anlagetipps zu verpassen, die mit sagenhaften Renditen für den Anleger aufwarten ("83,7 % durchschnittlicher Jahresgewinn").

