Anlage 1
— (Übersetzung) ANLAGE I KAPITEL A METEOSAT OPERATIONAL PROGRAMME (MOP) BESCHREIBUNG DES SYSTEMS VORBEREITUNGSPROGRAMM FÜR METEOSAT ZWEITE GENERATION (MSG/PP) METEOSAT-PROGRAMM DER ZWEITEN GENERATION
- 1. ALLGEMEINES
- Das europäische meteorologische Satellitensystem ersetzt das voroperationelle METEOSAT-Programm geostationärer Satelliten fort. Der Satellit soll auf eine Normal-Position über dem Nullmeridian gebracht werden. Das System besteht aus einem Weltraumsegment und einem Bodensegment. Die Auslegung der Raumfahrzeuge beruht auf der von METEOSAT. Das Bodensegment nutzt ebenfalls die beim voroperationellen METEOSAT-Programm gewonnenen Erfahrungen und nimmt die Bahnverfolgung und Steuerung der Raumfahrzeuge sowie die zentrale Verarbeitung der Daten wahr.
- 2. FUNKTIONSBESCHREIBUNG
2.1 Weltraumsegment
Der Satellit wird für folgende Funktionen ausgerüstet:
- - Herstellung von Bildern in den folgenden drei
- Spektralbereichen: sichtbarer Bereich, infrarotes atmosphärisches Fenster und infrarotes Wasserdampf-Band.
- - Verteilung von Bildern und anderen Daten über zwei Kanäle, die beide für die Übertragung digitaler und analoger Daten zu den Nutzerstationen geeignet sind.
- - Sammlung der von Insitu-Meßstationen übertragenen Daten.
- - Verteilung meteorologischer Daten an die Bodenstationen.
2.2 Bodensegment
Das Bodensegment nimmt folgende Aufgaben wahr, wovon die meisten in Quasi-Echtzeit ausgeführt werden müssen, um die meteorologischen Anforderungen zu erfüllen:
- - Steuerung, Überwachung und operationelle Nutzung eines aktiven Satelliten.
- - Möglichkeit der Steuerung eines zweiten Satelliten, der nicht in Betrieb ist.
- - Empfang und Vorverarbeitung von Bilddaten. Unter Vorverarbeitung sind die Arbeitsschritte zu verstehen, die erforderlich sind, um die radiometrischen und geometrischen Abweichungen in den Rohdaten zu ermitteln und zu berichtigen. Hierzu gehören mindestens die gegenseitige Zuordnung der verschiedenen Kanäle, die Eichung des Kanals für das infrarote atmosphärische Fenster und die Bestimmung der geographischen Lage der Bilder.
- - Verteilung vorverarbeiteter Bilder an Primär-Nutzerstationen (PDUS) und Sekundär-Nutzerstationen (SDUS).
- - Verteilung verschiedener Daten mit Hilfe des Satelliten, wozu auch betriebliche Noten und von den Wetterdiensten bereitgestellte Karten angehören.
- - Verteilung von Bildern anderer meteorologischer Satelliten.
- - Empfang und begrenzte Verarbeitung der von In-situ-Meßstationen (Datensammelplattformen (DCP)) ausgesendeten Informationen und deren Verteilung. Die Verteilung dieser Informationen schließt sowohl die Eingabe in das globale meteorologische Fernmeldenetz (GTS) als auch die Übertragung über den Satelliten zu den Nutzerstationen ein. (Diese Übertragungen erfolgen zusätzlich zu den anderen in diesem Abschnitt aufgeführten Übertragungen.)
- - Ableitung quantitativer meteorologischer Daten, einschließlich Windvektoren, weiterer für die operationelle Meteorologie benötigter Daten, wie Meeresoberflächentemperatur, Feuchtigkeitsgehalt der oberen Troposphäre, Wolkenbedeckung und -höhe, sowie eines für klimatologische Zwecke geeigneten Datensatzes.
- - Archivierung aller vorhandenen Bilder in digitaler Form während eines gleitenden Zeitraums von mindestens fünf Monaten und ständige Archivierung aller aufbereiteten meteorologischen Informationen.
- - Archivierung von mindestens 2 Bildern der vollen Scheibe pro Tag auf photographischem Film.
- - Wiederabruf der archivierten Information.
- - Erstellung und Verteilung von Dokumentationen, wozu zB ein Bildkatalog und ein Leitfaden für die Benutzer des Systems gehören.
- - Qualitätskontrolle der Produkte und Übertragungen.
- 3. TECHNISCHE LEISTUNGEN
3.1 Weltraumsegment
Die genauen Leistungsspezifikationen für die Raumfahrzeuge werden vom Rat festgelegt; sie werden mindestens den Spezifikationen für die voroperationellen METEOSAT-Satelliten entsprechen, mit der Ausnahme, daß die Möglichkeit zur Abfragung der Datensammelplattformen über einen besonderen Datenkanal vom Satelliten aus entfällt.
Folgende Verbesserungen sind vorgesehen:
- - Verlängerung der Lebensdauer hinsichtlich Stromversorgung und Treibstoffvorrat.
- - Erhöhung der Zuverlässigkeit des Radiometers und der Elektronik.
- - Angleichung des Wasserdampf-Kanals an die Entwurfs- und Fertigungsgüte der beiden anderen Kanäle; Senkung des Rausch(Stör)-Pegels.
- - Gleichzeitiger Betrieb des Kanals für das infrarote Fenster, des Wasserdampf-Kanals und der beiden Kanäle im sichtbaren Bereich.
- - Eichung des Wasserdampf-Kanals „im Flug“.
- - Temperaturregelung des für Eichzwecke verwendeten schwarzen Körpers.
- - Änderung des Frequenzumsetzers, um zusätzlich zu den bei den voroperationellen METEOSAT-Satelliten vorgesehenen Funktionen die Verteilung von Digitaldaten an die Bodenstationen zu ermöglichen.
3.2 Bodensegment
Die technischen Leistungen für die in Abschnitt 2.2 aufgeführten Aufgaben müssen mindestens denen des voroperationellen Systems entsprechen. Das System soll jedoch modernisiert werden, um die Zuverlässigkeit zu erhöhen und die Betriebskosten zu senken.
- 4. ÜBERBRÜCKUNGSMASSNAHMEN
- Der Betrieb des bestehenden Systems, das METEOSAT F1 und F2 und den Satelliten P2 umfaßt (wenn dieser im Rahmen des voroperationellen Programms gestartet wird), wird ab 24. November 1983 ebenfalls in das operationelle Programm einbezogen.
- 5. STARTTERMINE
5.1 Das operationelle Programm umfaßt die Beschaffung der
notwendigen Komponenten und den Bau der erforderlichen Untereinheiten für drei neue Flugmodelle (MO1, MO2, MO3) und ein Ersatzteillos.
Es wird nur ein Integrationsteam eingesetzt, und die Satelliten werden nacheinander integriert.
MO1 wird sofort nach Fertigstellung gestartet, planmäßig im ersten Halbjahr 1987.
MO2 wird etwa eineinhalb Jahre später gestartet, planmäßig im zweiten Halbjahr 1988.
MO3 wird planmäßig im zweiten Halbjahr 1990 gestartet. Dieser Starttermin kann entsprechend dem Stand des Programms und der Verfügbarkeit von Trägerraketen im Zeitpunkt der Entscheidung verschoben werden.
Die Starts MO1 und MO2 werden so versichert, daß bei Bedarf eine weitere Flugeinheit integriert und gestartet werden kann.
5.2 Der in Anlage II aufgeführte Höchstbetrag setzt voraus, daß alle Starts als Teilnutzlast der ARIANE-Trägerrakete im Rahmen von Doppelstarts durchgeführt werden. Der Rat kann einstimmig die Inanspruchnahme von Einzelstarts beschließen, falls das Programm dies erfordert.
- 6. DAUER DES PROGRAMMS
- Die Nutzung der operationellen Satelliten wird sich nach dem vorläufigen Zeitplan voraussichtlich auf 8,5 Jahre ab dem Start von MO1 im Jahre 1986/1987 erstrecken. Außerdem ist eine Übergangsphase vorgesehen, in der die vorhandenen Satelliten (F1, F2, P2) genutzt werden sollen, soweit sie während des Zeitraums vom 24. November 1983 bis zum Start von MO1 im Jahre 1986/1987 verfügbar sind. Die voraussichtliche Gesamtdauer des Programms beträgt 12,5 Jahre und reicht von Anfang 1983 bis Mitte 1995.
KAPITEL B
ALLGEMEINER HAUSHALT
Der Allgemeine Haushalt bildet den Programmrahmen für alle EUMETSAT-Kern- und Zukunftsaktivitäten im Jahre 1990 und in den folgenden Jahren.
Als Kernaktivitäten werden solche Aktivitäten definiert, welche nicht mit einem bestimmten Programm in Verbindung stehen. Sie stellen die grundlegende technische und administrative Struktur von EUMETSAT einschließlich Stammpersonal, Gebäude und Ausrüstung dar.
Zukunftsaktivitäten sind vorläufige Aktivitäten, welche vom Rat in Vorbereitung zukünftiger, noch nicht beschlossener Programme autorisiert sind.
KAPITEL C
METEOSAT-ÜBERGANGSPROGRAMM
- 1. EINLEITUNG
- Das Meteosat-Übergangsprogramm (MTP) sichert die Fortsetzung der Dienste, die von meteorologischen Satelliten in geostationärer Umlaufbahn nach dem 30. November 1995 bis zum 1. Dezember 2000 geleistet werden.
- 2. DAS BODENSEGMENT
- Ein Bodensegment wird entwickelt, um den Betrieb der MOP und MTP Satelliten im Dezember 1995 zu übernehmen. Das Bodensegment wird zur Unterstützung von Routineaufgaben bis zum 1. Dezember 2000 herangezogen werden.
- 3. WELTRAUMSEGMENT
- Das MTP-Weltraumsegment besteht aus einem einzelnen neuen Satelliten derselben Auslegung wie des letzten Meteosat-Satelliten (MOP-3) mit einem für Ende 1995 vorgesehenen Starttermin. Zusätzlich werden Vorarbeiten gesetzt, um die Möglichkeit einer zukünftigen Entscheidung für die Herstellung eines zweiten neuen Satelliten zu sichern.
- 4. DURCHFÜHRUNGSPLAN
- Das Programm wird in zwei Abschnitten durchgeführt. Der erste Abschnitt schließt die Herstellung eines neuen Satelliten ein, Vorarbeiten für einen möglichen zweiten Satelliten, die Definition des Bodensegments und das Programm-Management. Der zweite Abschnitt umfaßt die Vollendung des Bodensegments, den Satellitenstart und den Betrieb des Weltraum- und Bodensegments für die Dauer von fünf Jahren.
- Die Autorisation zur Fortsetzung des zweiten Arbeitsabschnitts wird relevante Ergebnisse des ersten Abschnitts berücksichtigen.
KAPITEL D
PHASE A
- 1. EINLEITUNG
- Phase A des MSG-Vorbereitungsprogramms bezieht sich auf die Definition eines geostationären Satellitensystems zur Sicherung der operationellen Kontinuität des gegenwärtigen Meteosat-Systems.
- Für diese Phase sind vier Jahre, beginnend mit 1. Jänner 1991, vorgesehen.
- Phase A sieht in den Jahren 1991/1992/1993/1994, eine Machbarkeitsstudie eines Spin-Satellitensystems vor, welches ein sichtbare und Infrarot-Bilder lieferndes Radiometer (SEVIRI) zur Unterstützung eines Einsatzes zur multispektralen hochauflösenden Bildaufnahme und zur Überwachung von Labilitäten der Atmosphäre sowie ergänzende Instrumente umfaßt, welche weder die Auslegung noch die Kosten des unten beschriebenen Systems übersteigen.
- 2. BESCHREIBUNG DES SYSTEMS
2.1 Das MSG-Weltraumsegment besteht aus einer Serie von
spinstabilisierten Satelliten auf geostationärer Umlaufbahn 0 Grad Nord - 0 Grad Ost, die innerhalb der Grenzen von +- 45 Grad Länge betrieben werden können.
2.2 Das System, welches auf zwei gleichzeitig in Umlauf befindlichen Satelliten (einer in Betrieb und einer in Reserve) beruht, wird für eine Betriebsdauer von 12 Jahren ab der Kommissionierung des ersten Flugmodells ausgelegt.
2.3 In Übereinstimmung mit EUM/C/Res. XXIII tragen alle Satelliten eine Standardnutzlast, welche aus folgenden Subsystemen besteht:
- a) Ein bilderzeugendes Radiometer, bezeichnet als SEVIRI (Spinning Enhanced Visible and Infra-Red Imager), zur Unterstützung der normalen und hochauflösenden Bilderzeugung sowie der Luftmassenanalyse.
- b) Meteorologische Kommunikationsnutzlast (MCP) zur Verteilung und Übertragung von Bildern sowie von meteorologischen und Umweltdaten und -produkten.
2.4 Eine ergänzende Nutzlast, experimentell oder operationell, welche die Auslegung des Systems nicht übersteigen darf.
2.5 Das MSG-Bodensegment umfaßt folgende funktionelle Elemente:
- a) Anlage für die Satelliten- und Einsatzsteuerung,
- b) Anlagen für die Bilderverarbeitung- und -verteilung,
- c) Anlagen für die Ableitung meteorologischer Produkte,
- d) ein zentrales Archiv.
- 3. INHALT DER PHASE A
- Folglich sollten im Jahre 1991 die Aktivitäten der Phase A konzentriert sein auf die Definition
3.1 eines Basis-SEVIRI mit dem Satz von Kanälen, welcher von SGATC und STG in Erfüllung der Anforderungen des Rates gemäß EUM/C/Res. XXIII definiert wurde,
3.2 einer Basis-MCP mit einem Rohdatenkanal und vorverarbeiteter Datenverteilung unter Verwendung derselben Frequenzbereiche wie
MOP,
3.3 der ergänzenden Nutzlast, nach Überprüfung eines Aufrufs um Vorschläge,
3.4 von zu verteilenden meteorologischen Daten und Produkten,
3.5 von Bodensegmentarchitekturkonzepten,
3.6 des rechtlichen Rahmens.
- 4. AUSBLICK
- Die Ergebnisse einer am Ende der Phase A durchzuführenden Revision des Systemkonzepts werden es dem Rat ermöglichen, eine Entscheidung über die Erweiterung dieses Programms auf eine Phase B zu treffen.
- Phase B verfeinert und revidiert die Konzepte, welche während Phase A untersucht wurden und führt zur endgültigen Definition des Systems und dessen Architektur.
- Am Ende der Phase B wird eine Entscheidung über den gesamten Programmvorschlag in Betracht gezogen.
KAPITEL E
BESCHREIBUNG DES SYSTEMS UND DURCHFÜHRUNGSPLAN
- 1. AUFGABENSTELLUNGEN
- Das Meteosat-Programm der Zweiten Generation (MSG) sieht die Entwicklung, Vorführung und den Betrieb eines neuen Systems geostationärer meteorologischer Satelliten vor. Dieses System wird zur Fortsetzung und Verbesserung der meteorologischen Beobachtungen aus einer geostationären Umlaufbahn über Europa, Afrika und angrenzende Gebiete des Ozeans nach dem Ende des Meteosat-Übergangsprogramms (MTP), von 2001 bis 2012, ausgelegt. Dementsprechend wurden folgende Einsätze definiert.
- a) Multispektrale Bilderzeugung
- Die Mission zur Bilderzeugung in mehreren Spektralbereichen nützt atmosphärische Fenster zur Herstellung von Bildern von Wolken und Land-/Meeresoberflächen. Die Verwendung eines Radiometers mit Kanälen, welche ähnliche spektrale Eigenschaften wie jene des von den US polarumlaufenden Satelliten benutzten AVHRR (Advanced Very High Resolution Radiometer) aufweisen, wird aus Gründen der Konsistenz benötigt und bietet den Vorteil häufigerer Beobachtungen.
- b) Luftmassenanalyse
- Die Mission zur Luftmassenanalyse dient der Überwachung der thermodynamischen Eigenschaften der Atmosphäre. Die zusätzlichen zur Anwendung gebrachten Spektralkanäle werden auf das Wasserdampf-, Kohlendioxyd- und Ozonabsorptionsband ansprechen. Deren spektrale Eigenschaften wurden auf Grund der aus dem Betrieb von Meteosat und GOES-VAS gewonnenen Erfahrung ausgewählt.
- c) Hochauflösende Bilderzeugung
- Die Mission zur Herstellung hochauflösender Bilder im sichtbaren Bereich dient der Überwachung von größenordnungsmäßig kleiner Phänomene, wie zB Wolkenbildung durch Konvektion, mit einer Auflösung von zirka 1 km im Nadir. Dabei kommt ein Kanal im selben sichtbaren Band zur Anwendung wie beim bestehenden Meteosat.
- d) Ableitung von Produkten
- Die Mission zur Ableitung von Produkten leitet meteorologische und andere Produkte aus den Rohbilddaten ab.
- Als Ergebnis wird Information in bezug auf Produkte wie:
- - Winde,
- - Meeres- und Landoberflächentemperaturen,
- - Labilitätsindices der Luftmassen,
- - Wolkenbeschreibung,
- - Nebel,
- - Albedo,
- - Vegetationsindices,
- - Niederschlagswasser,
- - Höhe und Struktur der Tropopause,
- - klimatische Datensätze usw.
- Die Mission stützt sich auf bestehende Expertise innerhalb der EUMETSAT Mitgliedstaaten.
- e) Datensammlung
- Die Mission zur Datensammlung setzt die Sammlung von Umweltdaten durch Datensammlungsplattformen fort.
- f) Verteilung
- Die Mission zur Verteilung versorgt die Anwender mit Bilddaten und meteorologischen Daten. Ein vorrangiges Ziel des Einsatzes ist die Lieferung ausgewählter Bilddaten für das Nowcasting innerhalb weniger Minuten nach dem Ende der Erstellung jedes Bildes, da die Aktualität der Datenlieferung von höchster Bedeutung ist. Zugang zu Verteilungskanälen wird durch den Einsatz von Verschlüsselungsmethoden durch EUMETSAT kontrolliert. Für die Verteilungsmission sind zwei unterschiedliche Betriebsarten vorgesehen:
- i) ein „High Rate Information Transmission“ (HRIT) Modus, der zumindest den vollen Satz von Bilddaten vom europäischen Gebiet und einen reduzierten Satz vom südlichen Teil der Erdkugel gemeinsam mit anderen Daten an größere Anwender und an Produktableitungszentren mit Zugang zu den geeigneten Empfangsstationen verteilt.
- ii) ein „Low Rate Information Transmission“ (LRIT) Modus, der einen reduzierten Satz von Bildern und anderen Daten an Anwender mit weniger kostenaufwendigen Empfangsstationen verteilt.
- Der Meteorologische Datenverteilungseinsatz (MDD) und der Datensammlungsplattformübertragungsdienst (DCPRS) der ersten Generation von Meteosat-Programmen wird in die MSG-Verteilungsmission integriert.
- g) Das MSG-System kann zusätzliche operationelle oder Forschungsaufgaben unterstützen, welche nicht die Leistung der Hauptaufgaben beeinflussen, sofern sie nicht eine signifikante Auswirkung auf die Komplexität des Gesamtsystems haben und alle Zusatzkosten von Dritten getragen werden. Derartige Aufgaben könnten ein Such- und Rettungshilfssystem und/oder ein Spezialinstrument zur Überwachung von Komponenten des Erdstrahlungshaushalts umfassen.
- 2. DAS MSG-SYSTEM
2.1 Weltraumsegment
Das Weltraumsegment des Meteosat-Systems der Zweiten Generation basiert auf einer Serie von drei spin-stabilisierten Satelliten von fortgeschrittener Auslegung mit folgender Nutzlast:
- a) Das „Spinning Enhanced Visible and Infra-Red Imaging“ Radiometer (SEVIRI), welches die Bilderzeugung in mehreren Spektralbereichen, Luftmassenanalyse und hochauflösende Bilderzeugung im sichtbaren Bereich unterstützt. Das SEVIRI verwendet 12 Kanäle, wie folgt:
- - sieben Bildkanäle innerhalb des sichtbaren Bandes und der Infrarotfenster,
- - vier Kanäle zur Messung der Infrarotemission innerhalb des Wasserdampf-, Kohlendioxyd- und Ozonbands,
- - ein Breitbandkanal im sichtbaren Bereich mit höherer räumlicher Auflösung.
- Das Auflösungsvermögen des SEVIRI beträgt 3 km am Subsatellitenpunkt, ausgenommen der Breitbandkanal im sichtbaren Bereich, wo es 1 km ist. Volle Erdbilder in all diesen Spektralkanälen werden in 15minütigen Intervallen erzeugt.
- b) die Geostationäre Meteorologische Kommunikationsnutzlast (GMCP), welche die Datenverteilung und Datensammlung unterstützt,
- c) ergänzende Nutzlast (in einem Ausmaß, welches ohne signifikante Auswirkung auf Satellitengröße oder -komplexität bleibt sowie EUMETSAT keine Kosten verursacht), wie ein kleines wissenschaftliches Instrument und/oder ein geostationärer Such- und Rettungsfrequenzumsetzer (GEOSAR).
2.2 Bodensegment
Das MSG-Bodensegment besteht aus einem Netz von bodenbasierten Anlagen, eingerichtet im Hinblick auf die Anforderungen langfristiger Kontinuität, mit einem zentralen Knoten beim EUMETSAT-Hauptquartier.
2.2.1 EUMETSAT-Systembodensegment
- a) Eine Primärbodenstation (PGS) unter der Kontrolle des Satellitenbetreibers (EUMETSAT) für den Empfang von telemetrischen Daten und Rohdaten aus Instrumenten sowie für die Unterstützung des allgemeinen Systembetriebs.
- b) Eine Reservebodenstation (BGS) für Notoperationen, die am selben Ort bei einer Hilfsbodenstation oder bei einer Station mit bestehenden Satellitenkontrollfunktionen untergebracht werden könnte.
- c) Eine oder mehrere Hilfsbodenstationen (SGS) für den Empfang oder die Vorverarbeitung von Daten von anderen meteorologischen Satelliten und deren Übertragung zur zentralen Anlage.
- d) Eine zentrale Anlage beim EUMETSAT-Hauptquartier für Satelliten- und Einsatzkontrolle sowie für die Verarbeitung von Rohbilddaten von den Satelliten zu Daten der Stufe 1.5 zur Weitergabe an Anwender, einschließlich dreier Hauptfunktionselemente:
- i) Satellitenkontrollzentrum (SCC)
- ii) Einsatzkontrollzentrum (MCC)
- iii) Datenverarbeitungszentrum (DPC) zur Unterstützung der Bilderzeugung und Datenweitergabe.
- e) Eine „MSG Archive und Retrieval Facility“ (MARF) für die langfristige Archivierung und Wiederverwendung von Bilddaten und einiger meteorologischer Produkte. Die Konfiguration und Unterbringung (die verteilt sein kann) sind zu bestimmen.
2.2.2 EUMETSAT-Anwendungsbodensegment
Das Anwendungsbodensegment umfaßt die gesamte Bodeninfrastruktur, welche bei der Produktableitung aus Bilddaten inbegriffen ist:
- a) Eine „Meteorological Product Extraction Facility“ (MPEF) wird beim EUMETSAT-Hauptquartier zur Durchführung zentraler Kontroll- und Managementaufgaben eingerichtet, um die Verfügbarkeit von vereinbarten Schlüsselprodukten sowie jene voll entwickelten Verarbeitungsaufgaben zu kontrollieren, die nicht zwingend von der Interaktion mit Anwendern abhängen. Typischerweise werden die Aufgaben der MPEF aus der operationellen Herstellung von Produkten wie Windvektoren und (Mehrzweck)-Clusteranalysen im synoptischen Maßstab (Gittergröße zirka 100 km) auf der Basis von multispektraler Verarbeitung der vollständigen Bilddaten bestehen und als Grundlage für die unter Paragraph 1 d) genannten Produkte dienen.
- b) Ein Netz von „Satellite Application Facilities“ (SAF) bei nationalen Wetterdiensten von EUMETSAT-Mitgliedstaaten oder bei anderen anerkannten Einheiten, die mit einem Anwenderkreis verbunden sind, wie das ECMWF, für die Ableitung von Produkten außerhalb des Bereiches der MPEF. Über die Natur dieser Produkte wird vom Rat nach Analyse von Anwenderanforderungen entschieden. Die Einrichtung jeder SAF ist Gegenstand einer offenen Ausschreibung und eines in der Folge abgeschlossenen Vertrags, welcher die relevante Forschung und Entwicklung sowie die operationelle Generierung von Produkten entsprechend vereinbarter Spezifikationen abdeckt. Nichtsdestoweniger kann der Rat aus Gründen der Nützlichkeit oder Notwendigkeit die Verarbeitung einiger dieser Produkte der MPEF übertragen. Die weitere Verfeinerung der Liste der aus den MSG-Bildern abzuleitenden Produkte ist eine vordringliche Tätigkeit während der detaillierten Systemdefinitionsphase (Phase B), wie die Ausarbeitung der Zuordnungskriterien und -verfahren zur MPEF und den SAFs.
2.2.3 Anwenderbodensegment
Von den Anwendern werden Bodenstationen für den Empfang der durch das MSG-System verbreiteten Daten betrieben:
- a) „High Rate User Stations“ (HRUS) für den Empfang von Daten unter dem „High Rate Information Transmission“ (HRIT) Schema,
- b) „Low Rate User Stations“ (LRUS) für den Empfang von Daten unter dem „Low Rate Information Transmission“ (LRIT) Schema.
- Die Übertragung von Rohinstrumentendaten vom Satelliten zur Erde ist nicht Teil der MSG-Verteilungsmission. Falls jedoch ein Mitgliedstaat beschließt, eine Station bereitzustellen, welche für den Empfang von Rohbilddaten geeignet ist, dann ist dem Mitgliedstaat rechtzeitiger Zugriff auf die relevanten Bildverarbeitungsparameter, welche in der zentralen Anlage abgeleitet werden, in Übereinstimmung mit der EUMETSAT-Datenpolitik zu gewähren.
- 3. PROGRAMMINHALT
- Das MSG-System wird in Zusammenarbeit mit der Europäischen Weltraumagentur verwirklicht. Das EUMETSAT-MSG-Programm umfaßt folgende Aufgaben:
- a) Ein fixer finanzieller Beitrag zum ESA-MSG-Programm (unter Mitwirkung an der detaillierten Definition, Auslegung, Entwicklung und Demonstration des MSG-Satellitenprototyps MSG-1).
- b) Beschaffung der Trägerrakete für den MSG-Satellitenprototyp MSG-1, für einen vorgesehenen Starttermin zur Jahresmitte 2000.
- c) Detaillierte Definition des Bodensegments zur endgültigen Entscheidung durch den Rat über die Konfiguration des Netzes der Bodenanlage.
- d) Entwicklung, Beschaffung und Test des Bodensegments für den Betrieb des MSG-Systems.
- e) Kommissionierung des Systems im Anschluß an den Start von MSG-1.
- f) Bereitstellung und Start zweier weiterer Flugmodelle:
- i) MSG-2, startbereit innerhalb 18 Monate nach dem Start von MSG-1,
- ii) MSG-3, startbereit am Ende der nominellen Lebensdauer von MSG-1,
- g) Systembetrieb für einen Zeitraum von 12 Jahren nach der Kommissionierung von MSG-1.
- 4. DURCHFÜHRUNGSPLAN
- Das Programm wird in zwei Abschnitten durchgeführt:
- a) Der erste Abschnitt, oder MSG-Demonstrationsabschnitt, beinhaltet den fixen finanziellen Beitrag zum ESA-Prototypentwicklungsprogramm, die Beschaffung einer Trägerrakete für den Prototyp, die Entwicklung und Beschaffung des Bodensegments sowie die Kommissionierung des Systems (Posten a) bis e) unter 3). Dieser Abschnitt beginnt 1993 und endet im Jahr 2000.
- b) Der zweite Abschnitt, oder MSG operationeller Abschnitt, beinhaltet die Beschaffung und den Start zweier weiterer Satelliten und Systembetrieb für die Dauer von 12 Jahren, von 2001 bis 2012 (Posten f) und g) unter 3).
KAPITEL F
VORBEREITUNGSPROGRAMM FÜR EIN EUMETSAT POLARSYSTEM
Das EPS-Vorbereitungsprogramm umfaßt einleitende Aktivitäten betreffend Weltraumsegmentnutzlast und Bodensegment bezogen auf die Entwicklung einer Serie von Satelliten zur kontinuierlichen Versorgung mit meteorologischen Beobachtungen aus einer östlichen Polarumlaufbahn.
Die Aktivitäten verteilen sich auf drei getrennte Bereiche:
- i) Aufgabenstellung
- Detaillierte Definition der Mission und Nutzlast, einschließlich Klimaüberwachungsaufgaben in Zusammenarbeit mit NASA und NOAA, die zum Abschluß von Kooperationsabkommen mit beiden Organisationen führt.
- ii) Weltraumsegmentnutzlast
- Umfaßt die Entwicklung und Verfeinerung der Spezifikationen des meteorologischen Kommunikationspakets und den Beginn kritischer Entwicklungsarbeiten für das Gerät zur Messung der Feuchtigkeit im Mikrowellenbereich.
iii) Bodensegment
Deckt die Erstellung von Machbarkeitsstudien und in der Folge die Festlegung detaillierter Spezifikationen für das Bodensegment.
Zuletzt aktualisiert am
31.03.2023
Gesetzesnummer
10012389
Dokumentnummer
NOR12155078
alte Dokumentnummer
N9199435602J
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